Violine Christian Tetzlaff
© Giorgia BertazziKünstler

"I think what ultimately moves people is the emotional openness and deep sincerity of Tetzlaff’s playing."

The Boston Globe
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Biografie

Christian Tetzlaff ist seit Jahren einer der gefragtesten Geiger und spannendsten Musiker der Klassikwelt. „The greatest performance of the work I’ve ever heard“, schrieb Tim Ashley im Guardian über seine Interpretation des Beethoven-Violinkonzerts mit Daniel Harding. Und Hans-Klaus Jungheinrich sprach in der Frankfurter Rundschau geradezu von einer „Neugewinnung“ dieses vielgespielten Werks.

Konzerte mit Christian Tetzlaff werden oft zu einer existenziellen Erfahrung für Interpret und Publikum gleichermaßen, altvertraute Stücke erscheinen plötzlich in völlig neuem Licht. Daneben lenkt er den Blick immer wieder auf vergessene Meisterwerke wie das Violinkonzert von Joseph Joachim, für das er sich erfolgreich stark gemacht hat, und versucht, wirklich gehaltvolle neue Werke wie das von ihm uraufgeführte Violinkonzert von Jörg Widmann im Repertoire zu etablieren. Er pflegt ein ungewöhnlich breites Repertoire und gibt rund 100 Konzerte pro Jahr. Christian Tetzlaff war „Artist in Residence“ bei den Berliner Philharmonikern, hat eine mehrere Spielzeiten umfassende Konzertserie mit dem Orchester der New Yorker Met unter James Levine bestritten und gastiert regelmäßig u.a. bei den Wiener und den New Yorker Philharmonikern, dem Concertgebouworkest und den großen Londoner Orchestern. Dabei arbeitet er mit Dirigenten wie Andris Nelsons, Robin Ticciati und Vladimir Jurowski zusammen.


 

Was den 1966 in Hamburg geborenen und inzwischen mit seiner Familie in Berlin lebenden Musiker so einzigartig macht, sind – neben seinem großen geigerischen Können – vor allem drei Dinge: Er nimmt den Notentext wörtlich, er versteht Musik als Sprache, und er liest die großen Werke als Erzählungen, die existenzielle Einsichten spiegeln. Was so selbstverständlich klingt, ist im Konzertalltag ein ganz ungewöhnlicher Ansatz.

Wenn Christian Tetzlaff den Notentext so tief wie möglich zu erfüllen versucht – ohne Rücksicht auf die „Aufführungstradition“ und ohne sich die oft üblichen geigentechnischen Erleichterungen zu gönnen –, dann zeigen sich die altbekannten großen Werke oft in neuer Klarheit und Schärfe. Als Geiger versucht Tetzlaff hinter dem Werk zu verschwinden – und das macht seine Interpretationen paradoxerweise sehr individuell.

Zum zweiten „spricht“ Christian Tetzlaff mit seiner Geige, sein Spiel umfasst, wie die menschliche Sprache, eine große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten und ist nicht allein auf Wohlklang und virtuosen Glanz ausgerichtet. Vor allem aber versteht er die Meisterwerke der Musikgeschichte als Geschichten, die von zentralen Erfahrungen handeln. In ihrer Musik haben die großen Komponisten intensivste Gefühle, höchstes Glück und tiefte Krisen, verarbeitet, und so begibt sich auch Christian Tetzlaff als Musiker in die Grenzbereiche der Gefühle – und der musikalischen Gestaltung. In vielen Stücken geht es um nichts Geringeres als um Leben und Tod. Das dem Publikum zu vermitteln, ist Christian Tetzlaffs Ziel.

Voraussetzung für diesen Ansatz sind Mut zum Risiko und spieltechnische Souveränität, Offenheit und eine große Wachheit fürs Leben. Bezeichnenderweise hat Christian Tetzlaff viele Jahre in Jugendorchestern gespielt, in Uwe-Martin Haiberg hatte er an der Musikhochschule Lübeck einen Lehrer, für den die musikalische Interpretation der Schlüssel zur Geigentechnik war – nicht umgekehrt. Bereits 1994 gründete Christian Tetzlaff sein eigenes Streichquartett, und bis heute liegt ihm die Kammermusik ebenso am Herzen wie seine Arbeit als Solist mit und ohne Orchester. 

Das Tetzlaff Quartett wurde u.a. mit dem Diapason d’or ausgezeichnet, das Trio mit seiner Schwester Tanja Tetzlaff und dem Pianisten Lars Vogt für den Grammy nominiert. Aber auch für seine solistischen CD-Aufnahmen hat Christian Tetzlaff zahlreiche CD-Preise erhalten. Er spielt eine Geige des deutschen Geigenbauers Peter Greiner und unterrichtet regelmäßig an der Kronberg Akademie.

In der Saison 2016/17 ist Christian Tetzlaff auf vier Kontinenten zu erleben, u.a. in New York mit dem Met Orchestra, mit dem Los Angeles Philharmonic, dem Chicago Symphony, dem  London Philharmonic Orchestra, dem Sydney Symphony Orchestra und als Residenz-Künstler mit dem Netherlands Philharmonic in Amsterdam. Mit dem Tetzlaff-Quartett oder im Trio mit Tanja Tetzlaff und Lars Vogt gastiert er in Paris, London, Amsterdam, Berlin und weiteren europäischen Metropolen und ist in den USA auf Tournee.

SAISON 2016/2017

Zitate

„[…] Das Trio ohne Eigennamen – die Interpreten sind Marke genug – besticht mit dem Mut zum Risiko, mit spielerischer Leidenschaft, die natürlich gepaart ist mit technischer Brillanz. […] klanglich ist das alles von höchster Delikatesse […]das Spiel der beiden Geschwister (zeugt) gerade in den zahlreichen Unisono-Passagen […] von nicht zu überbietender Gemeinsamkeit: zwei Künstler, ein Klang, eine Aussage. Und hier ist es an der Zeit, Lars Vogt ins Rampenlicht zu stellen. Was für ein unglaublich einfühlsamer, kongenialer Tastenzauber, welch sensibler Kammermusiker! […]“

Badische Zeitung, Alexander Dick, 06. April 2017

„Impulsiv, kraftvoll, dramatisch war diese Musik ...Der Ton von Christian Tetzlaffs Violine war so rund und tragend wie in meiner Erinnerung, jedoch mit lebendiger, sprechender Artikulation und so belebter Phrasierung und sprudelnder Dramatik, dass ich die Musik kaum wiedererkannte.“

Bachtrack, 01. März 2017 Rolf Kyburz

„[...] Was für eine Eleganz ! [...] Es gehört schon Mut dazu [...] den Wünschen des Publikums nach Opulenz nicht nachzukommen, stattdessen einen fragilen, geradezu dünnhäutigen Ton zu pflegen und damit nicht in den Spiegel hinein, sondern gewissermaßen mit dem Blick hindurch zu spielen, um es mit dem Korintherbrief zu sagen.[...]“

Der Tagesspiegel, 17. Dezember 2016, Christiane Tewinkel

„[...] Tetzlaffs Bogentechnik und sein Ton sind anbetungswürdig.[...]“

Rheinische Post, 14. November 2016, Armin Kaumanns

„[...] In diesem ersten Satz wurde deutlich, dass Tetzlaff Melodieabschnitte immer im Ganzen betrachtete und nicht so sehr auf die isolierte Gestaltung von Einzelnoten bedacht war. Dadurch wirkte die Zwiesprache der Geige mit den Pauken am Ende des ersten Satzes umso eindrucksvoller. Tetzlaff ließ ruhige Töne immer wieder versinken; ein ums andere mal ging er in die Knie und spielte mit viel Inbrunst. Im letzten Teil dann brachte er die vielen schnellen Linien mit viel Energie, aber auch Leichtigkeit, und ließ so die erforderliche hohe Konzentration eines solchen Spielniveaus vergessen, musizierte einfach nur.[...]“

Bachtrack, 10. November 2016, Stefan Pillhofer

„Beethovens Violinkonzert geriet zur Sternstunde“

Hamburger Abendblatt, 09. November 2016

„[...] im wunderbar aktiven Spiel der Kammerphilharmonie, bei dem man zu keiner Zeit die Anwesenheit eines Dirigenten vermisst, auch die übrigen Raffinessen des Stücks bestens zur Geltung kommen.[...] Sein Mozart-Spiel etwa befreit das Stück von aller überflüssigen Schwere. Wie ein Bildhauer die perfekte Form aus einem Steinblock schlägt, gibt Tetzlaff den Phrasen des Stückes Luft und Raum, sich in die richtige Richtung zu entfalten.[...]“

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 07. November 2016, Stefan Arndt

„Hier blieb trotz orchestraler Fülle die Klangkostümierung leicht, ja bisweilen regelrecht luftig, unglaublich feines Gewebe enthaltend und trotzdem von je nach Bedarf störrischer, steifleinerner Kontur samt hart gefalteten Kanten. ... Bei Mozarts Violinkonzert war Tetzlaff in den lyrischen, legatohaften Partien überragend“

Frankfurter Rundschau, 5. November 2016 Bernhard Uske

„Tetzlaff’s focus on the long line and, for example, the smoothest possible transition between the first movement and the adagio, gives the piece an exceptional feeling of unity for all the passion; and the finale truly dances, with crisper than usual articulation supported by Storgards’ firmly rhythmic accompaniment.“

ClassicsToday.com, 27. März 2016 David Hurwitz

„I’ve always loved the playing of German violinist Christian Tetzlaff for its chiselled, slightly austere beauty; his approach is totally unsentimental, with no concern for dazzle. So the romantic grandeur with which he opens Suk’s Fantasy in G Minor came as a bit of a shock. So much vibrato! But then, he’s the kind of musician who gets under the skin of a piece and gives what the music needs, rather than applying his own house style no matter what. His performance of Dvořák’s Concerto in A minor is glorious and questioning: full-throttle in the chunky octaves and with a heavy bounce to the finale. But the real brilliance is in the vulnerability and tenderness he reveals in quiet melodies.“

The Gurdian, 10. März 2016 Kate Molleson

„The Tetzlaffs deftly negotiated every one, revealing, in the process, one of their most winning traits: an ability to give themselves up completely to a piece, regardless of its mood, message or duration.““

Financial Times, 06. Januar 2016 Hannah Nepil

„The players make declarations, pose questions, give answers, thrust and parry, chase each other, proceed in lockstep; there are moments of tender lyricism and of furious aggression – I’ve never seen string players subject their instruments to such apparently extreme maltreatment - but the Tetzlaffs encompassed it all with wit and impeccable virtuosity. This was a heroic performance.“

The Independent, 04. Januar 2016 Michael Church

„Dass dieses (Konzert) so rauschhaft geriet, war ein Verdienst (…) des Geigers Christian Tetzlaff. Spielerische Intelligenz und urmusikalischer Spieltrieb sind bei Tetzlaff trefflich vereint.“

Rhein-Necker-Zeitung, 29. Dezember 2015 Rainer Köhl

„In Aufmachung und Auftreten zeigte sich der Ausnahmegeiger als dezidiert inhaltlich orientierter Mensch. Er verzauberte natürlich mit seiner Virtuosität und dem Klang seiner Geige. Aber auch mit seiner vollendeten Einigkeit mit dem begleitenden und dialogisierenden Orchester.“

Wiesbadener Tagesblatt, 23. November 2015 Doris Kösterke

„Das Trio war hier in einer Hochform wahrzunehmen, die einem fix etablierten Kammerensemble keineswegs nachsteht, sondern sie haben vielmehr ihre solistische Klasse zu einer eindringlichen und ausgewogenen Klangeinheit vereint. Es war nicht zu überhören, dass sich hier drei Musiker zusammenfanden, die eines Geistes sind, die nicht zum Zwecke der Selbstdarstellung musizieren, sondern musikalischen Ausdruckswillen, Klangdelikatesse und Empfindung als Sachwalter des Komponisten in den Vordergrund stellen. Sie spannen einen breiten Bogen an aufeinander abgestimmten Klangschattierungen und differenzierter Dynamik von lyrischer Feintarierung über romantische Empfindsamkeit bis zu kraftvollem Einsatz energischer Klangintensität. Beispielhaft im Ausloten der den Werken immanenten Klang- und Darstellungsmöglichkeiten!“

Traunsteiner Tagblatt, 05. August 2015

„So vehement, wie sich Christian Tetzlaff in die Anfangskaskaden seines Soloparts stürzt, dürfte auch kein Gedanke an akademische Steifheit aufkommen. Wie Tetzlaff Schroffheit und Süße zu vereinen weiß, mit seiner modernen Greiner-Violine ebenso kraftvoll auftrumpft wie zarteste Fäden über leuchtenden Holzbläserfarben spinnt, verschafft immer wieder erlesene Klangerlebnisse. Schlank, arabesk ist die Diktion, geht er auch im fließend genommenen Adagio gegen alles Betulich-Choralhafte an, brennt im Finale ein Feuerwerk der launigen Dialoge ab“

Der Tagesspiegel, 20. Juni 2015, Isabel Herzfeld

„Das klingt nicht nur berührend ehrlich, sondern hat einen dramaturgischen Effekt, der einen diese Aufführung gebannt wie im Film erleben lässt: man leidet das Konzert durch, in der Hoffnung, dass doch die volle Erfüllung gegeben wird. Um bald zu begreifen, dass Tetzlaffs Erfüllung eben genau in diesem intensiven Durchleben liegt.“

Berliner Zeitung, 20. Juni 2015 Clemens Haustein

„Der Gigue […] gibt Tetzlaff großen Atem und weit ausgreifende Bögen, die herrliche Chaconne gewinnt gerade in den Arpeggienzügen so sehr an Fahrt, dass sie sich vom Erdboden abzulösen und ihren Geiger einfach mitzunehmen scheint, in wunderlicher Verkehrung der Tatsache, dass gerade dieser das Phänomen doch erst in Gang gesetzt hat.“

Tagesspiegel, Christiane Tewinkel, 29. Mai 2015

„[...] Der Geiger scheut im temperamentvoll ausgelebten Ausdruckswillen kein Risiko und keine Kratzer in der Politur. Dabei nimmt er den Hörer mit auf eine fesselnde, oft rasant beschleunigte Gratwanderung durch eine weite Klanglandschaft, in der neben markanten Trillerketten und ruppig-zerklüfteten Doppelgriffen liebliche Piano-Inseln wie kollektiv erkundetes Neuland warten [...] Das Resultat ist der seltene Glücksfall einer Interpretation, die Staub vom Werk bläst und dieses als ganz Gegenwärtiges wiederentstehen lässt. [...]“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, April 2015 by Volker Milch

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Diskografie

Schubert HaydnSCHUBERT | HAYDNMär. 2017, Ondine, CD, Verfügbar bei: iTunes Amazon
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